Flüchtlinge, Smartphones, Internet und Freifunk

Kulturbruch zwischen Flüchtlingen und uns bzgl. Medienkompetenz
Es gibt bezüglich der Internetkompetenz einen ziemlichen Kulturbruch zwischen uns und den Flüchtlingen – das Schlimme ist, das Gefälle geht nicht hinab zu den armen Flüchtlingen, sondern – für uns völlig inakzeptabel – anders herum: Wir hier in Deutschland sind in Bezug auf neue Medien Analphabeten,  wir sehen in ihnen nur Statussymbole und erkennen nicht ihren existenziellen Wert. Dabei ist das Hauptproblem, dass in vielen Herkunftsländern die Funkversorgung mit Internet Standard ist, allgegenwärtig und preiswert verfügbar ist und so auch wirklich wichtige Dienste (z.B. Sofortüberweisung von X zu Y) verfügbar sind, von denen wir keine Ahnung haben. Die Flüchtlinge treffen bei uns ein und werden abgezockt. Während Sie bei einer Datenentnahme von 200 MB aus einem heimischen DSL -Anschluss ca. 25 € bezahlen, legen die Flüchtlinge bei Mobilverbindungen dafür 1.000 – 2.500 € hin – das ist ein Aufschlag bis zu 10.000%. Direkt nach ihrer Einreise haben sie noch keine hiesigen prepaid SIM-Karten – sie haben also gar keine Verbindung nach Hause bzw. zu Bekannten, zu ihrem Geld. Man stelle mal den Aufstand vor, den unsere bedenkentragenden Freifunkverhinderer machten, nähme man ihnen die Möglichkeit  weg,  nach einer Landung unmittelbar den Angehörigen erklären können, dass man gut angenommen sei. Dass man mit verschiedensten Apps noch ganz andere Dinge tun kann als zu telefonieren, ist vielen von unseren Entscheidern noch nicht erschlossen. Mit WLAN bräuchten Flüchtlinge nicht mehr die Zäune von Werksgeländen durchzwicken, sie  könnten sich orientieren, dass sie schon über die Grenze sind. Wollen manche ja auch gar nicht haben – jedenfalls mit Apps und SMS können Sie bis in die entlegensten Winkel Afrikas Geld transferieren, in Echtzeit! Verlorene können sich wieder finden (refunite.org).
Mit Freifunk können wir hier und ihn ähnlichen Situationen / Notfällen sehr schnell (oft in Stunden – 0049 1781748952) Abhilfe schaffen, ohne dass die hilfsbereiten Menschen, die einen Internetanschluss für einen Freifunk-Router bereitstellen, über Missbrauchs-Risiken nachdenken müssen.

 

Ich möchte auch darauf hinweisen, dass die erziehungswissenschaftlichen Einrichtungen Deutschlands es in Bezug auf Einbezug des Digitalen in Bildungsabläufe es schon weiter gebracht haben als es sich unsere Politiker realisiert haben. Im Bad Reichenhaller Verein BIMS e.V. werden laufend dazu neue Ideen entwickelt, vorgestellt und auch preisgekrönt! Besonders erwähnen will ich unser aktuelles Projekt „Gratis – Online – Lernen„. Das Projekt wird laufend weiterentwickelt. Alle Teilnehmer sollen mit diesem Kurs in die Lage gesetzt werden, vielen Angebote im Internet zum Gratis-Lernen auch effektiv zu nutzen.

Warum haben alle Smartphones?
Weil sie nicht alle arm waren, sondern aus dem Krieg kommen. Auch dort gibt’s Leute, die teure Autos fahren und ein aktuelles iPhone haben. Auch in den ärmeren Gegenden sind Smartphones verbreitet. Statt einen teuren Computer zu kaufen, kauft man für 50€ ein einfaches Smartphone.  Wenn du jetzt fliehen müsstest, würdest du erst mal dein Smartphone wegwerfen? Mit all den Fotos der Familie? Mit Google Maps, um den Weg zu finden? Und um mit der Familie telefonieren zu können? Genau dafür brauchen sie es ja auch. Einen länglichen Podcast dazu gibt es HIER.

Warum ist erreichbares Internet für Flüchtlinge so wichtig?
Wie kann man Flüchtlingen innerhalb weniger Tage nach ihrer Ankunft Bildungsangebote machen? Während sich die Politiker gegenseitig und die Bürger nur mit Hochrechnungen erschrecken, versuchen wir möglichst vielen rasch einen Zugang zum Internet zu schaffen. Allein mit den vorhandenen Smartphones – noch viel besser mit eingesammelten Notebooks, Sammelstelle: Computer Schmidt, Bad Reichenhall, Waaggasse 4. / hinter Rathaus bzw. Telefon s.o. – können Interessierte von der ersten Stunde in Deutschland an lernen – auf viele Angebote haben ich oben verwiesen.
Leider ist dieser Zusammenhang für Politiker noch nicht einsehbar, die organisieren lieber mal da und dort für die Mehrheit unerreichbare Deutschkurse, bei denen die vorhandenen Smartphones zur Seite gelegt werden und Leute, die im Leben kaum auf Stühlen und an einem Tisch gesessen haben nun Papier und Kuli in die Hand gedrückt bekommen und einen halben Tag so Deutsch lernen – wo kämen wir auch hin, wenn wir mit Flüchtlingen neuzeitliche Lernarrangements mit Flipped Classroom,  Lernen allein, online, ohne Aufsicht praktizierten – wo unsere Politiker noch einige Jahre über moralisch glattgebügeltes WLAN für unsere Schulen diskutieren wollen.

 

freieswlan-isolation